Digitales Hirnleistungstraining in der Ergotherapie

Neofect Cognition: Gedächtnistraining

Viele Ergotherapien arbeiten bereits mit digitalen Systemen, insbesondere beim Hirnleistungstraining. In diesem Artikel stellt euch Ergotherapeutin Noemi Brandt drei digitale Therapiemedien im ergotherapeutischen Einsatz vor.

Digitales Hirnleistungstraining in der ergotherapeutischen Behandlung

Die Ergotherapie bietet zahlreiche Behandlungsmöglichkeiten und Trainingsoptionen. Und stetig entwickeln sich neue Konzepte, wie z.B. die Arbeit mit computergestützten und digitalen Systemen im Hirnleistungstraining. In diesem Beitrag schaut sich Ergotherapeutin Noemi Brandt drei digitale Trainingskonzepte genauer an: Rehacom, freshminder 2 und das Smart Pegboard.

Die Hirnleistung beschreibt die Gesamtheit aller neuropsychologischen Funktionen, wie zum Beispiel unsere kognitiven Funktionen, unsere Wahrnehmung oder auch unser Sprachvermögen. Bei gewissen Krankheitsbildern kann unsere Hirnleistung jedoch nachlassen oder aussetzen.

Diese Defizite entstehen nicht nur bei dementiellen Syndromen, sondern auch bei neurologischer Schädigung durch Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma oder Multipler Sklerose. Sogar bei psychischen Erkrankungen wie Depression kann die Hirnleistung abnehmen. Darüber hinaus kann sie auch ganz physiologisch durch zunehmendes Alter, Stress oder Schlafentzug in ihrer Funktion nachlassen.

In solchen Fällen kann der Arzt/die Ärztin eine ergotherapeutische Verordnung, in diesem Fall „Hirnleistungstraining“ ausstellen. Doch was erwartet den/die Patient*in bei der hirnleistungsorientierten Ergotherapie? Folgende drei digitale Hirnleistungstrainer stelle ich euch vor:

Was ist RehaCom®?

Rehacom ist ein computerbasiertes Programm zur Förderung der kognitiven Leistungen. Mithilfe von 9 Screenings und insgesamt 35 Trainingsbereichen lassen sich auf den Patienten abgestimmte Lernkategorien herausarbeiten und gezielt fördern. Die Anleitung der einzelnen Übungen wird Schritt für Schritt vom Computer vorgetragen.

Digitales Training mit dem Rehacom

Bevor ein Training startet, lohnt es sich, ein Screening durchzuführen. Mithilfe des Screenings prüft das Computerprogramm die Patientenleistung aufgrund von Alter, Geschlecht und Fehlerquote. Im Anschluss an das Screening können die Ergebnisse eingesehen werden.

Hierbei zeigt das Programm auch, welche Bereiche leistungsmäßig auffällig sind und welche Hirnleistungsbereiche gefordert werden sollten. Anhand der Screenings lässt sich im Laufe einer oder mehrerer Therapieverordnungen nicht nur der aktuelle Leistungsstand, sondern auch in der Differenz zum vorherigen Screening eventuelle Verbesserung oder Verschlechterung prüfen. Durch die Vielfalt der Übungen können alle neuropsychologischen Bereiche selektiv trainiert werden.

Lernkonzept von FreshMinder

Bei FreshMinder 2 handelt es sich ebenfalls um ein Trainingsprogramm, das sich am Computer durchführen lässt. Wie der Namen erahnen lässt, handelt es sich um eine Trainingsreihe (1-4). Anders als RehaCom® beinhaltet dieses Programm keine Screenings.

Digitales Training mit dem fresh minder 2

Das Training unterteilt sich in 14 einzelne Aufgaben, die nach Durchführung für die momentane Trainingseinheit abgehakt werden. Die Erfolge werden in einer Highscore-Liste gespeichert, sodass man seine Leistung an Eigen- und Fremderfolgen messen kann. In diesem Training wird die bevorstehende Aufgabe ebenfalls vom Computer erklärt. Die Schwierigkeit des Levels kann im Vorfeld bestimmt werden, gleicht sich im Verlaufe der Übungseinheit jedoch der persönlichen Leistung an. Bei guter Leistung steigern sich Level und Schwierigkeit, bei Fehlern stagniert das Level oder wird zurückgesetzt.

Wer seine Merkfähigkeit und sein Wortgedächtnis trainieren möchte, kann sich an die Einkaufsliste wagen, bei der es darum geht, sich eine immer größere Anzahl von Einkaufsprodukten einzuprägen und diese im Anschluss niederzuschreiben.

Wer seine Aufmerksamkeit und Wahrnehmung fördern möchte, sollte die Übung „Symbole-suchen“ auswählen. Bei dieser Übung soll man sich an einem vorgegebenen Symbol orientieren und aus einer immer größer werdenden Reihe von verschiedenen Symbolen die identischen Symbole anklicken.

Neben diesen Beispielübungen gibt es noch 12 andere individuelle Trainings, die zum Beispiel Merkfähigkeit, Reaktionsfähigkeit, Konzentration oder auch Wortverständnis trainieren. Somit ist für nahezu jeden/jede Patient*in die richtige Übungsvariante vorhanden.

Neofect Smart Pegboard

Das Pegboard ist anders als die anderen beiden Trainingsmodule kein computerbasiertes Programm, sondern viel mehr ein „Computer im Steckbrett“. Somit bietet es auch Trainingsmöglichkeiten für Patienten, die aus individuellen Gründen den Einsatz von Computern nicht handeln können oder wollen.

Smart Pegboard von Neofect

Bei diesem Trainingsgerät lassen sich Ergebnisse direkt im Anschluss auf dem kleinen Monitor überprüfen. Das Pegboard arbeitet mit optischen Reizen in Form von aufleuchtenden LED-Lichtern sowie mit akustischen Reizen bei Übungsbeginn sowie (Miss-)Erfolg. Mithilfe von verschiedenen Aufsätzen und Steckteilen lässt sich das Training variieren.

Es gibt folgende Aufsätze für das Pegboard:

  • Standardaufsatz
  • Formenaufsatz
  • Pinchaufsatz

Je nach Wahl des Aufsatzes ist es möglich, nicht nur verschiedene feinmotorische, sondern auch kognitive Leistungen zu trainieren.

So lässt sich mithilfe des Formenaufsatzes vor allem die visuelle Wahrnehmung schulen, mit dem Pinch- oder Standardaufsatz können hauptsächlich Konzentrations- und Merkleistungen gefördert werden.

Bei dem „Gedächtnisspiel“ geht es darum, sich die aufleuchtenden Lichter zu merken und im Anschluss mit den Pegs nachzubilden. Die Übung „Lichterkette“ beansprucht hingegen die visuelle Wahrnehmung und das logische Denken. Einzelne Lichtpunkte leuchten hierbei auf. Nun ist es die Aufgabe, die Punkte durch Pegs miteinander zu verbinden, sodass eine Lichterkette entsteht. Die Übungen lassen sich durch die Einstellung von Dauer oder Anzahl der Punkte variieren.

Was spricht für ein digitales Training in der Ergotherapie?

Natürlich gibt es für alle Trainingsmethoden ein Für und Wider. In erster Linie ist es entscheidend, dass die Therapeutinnen gemeinsam mit den Patientinnen ein für ihn/sie passendes Training finden und zusammenstellen.

  • Digitale Trainingsprogramme bieten schon von ihrem Aufbau her einen spielerischen Charakter und somit eine gute Motivationsbasis.
  • Die Übungen lassen sich schnell durch wenige Klicks variieren und in ihrer Herausforderung individuell an Patientin und sein/ihr Beschwerdebild anpassen.
  • Dazu bringen die Übungen kontinuierlich messbare Werte mit sich, die transparent und verständlich für Patientin und Therapeut*in visualisiert werden.
  • Neue Studienlagen weisen zudem darauf hin, dass ein Zusammenhang zwischen der Nutzung von Computerspielen und verbesserten kognitiven Leistungen besteht (vgl. https://www.nature.com/articles/s41598-022-11341-2#Sec8).
  • Darüber hinaus ist die Digitalisierung aus unserer heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken, eben weil wir mit Technik so viel erreichen können.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass mithilfe digitaler Therapiemethoden Leistungsbereiche auf den Punkt kompetent gefördert werden können, während die Übungen Spaß, Motivation und Ansporn bereithalten.


Noemi Brandt

Noemi Brandt, Ergotherapeutin

Noemi (31) hat im Jahr 2014 ihr Staatsexamen zur Ergotherapeutin abgeschlossen und zudem ihren Bachelor im Studiengang „Public Health“ erworben. Bis 2018 hat sie in einem interdisziplinären Therapie- und Förderzentrum gearbeitet. Seit 2021 arbeitet sie bei der „Ergotherapie Praxis André Eckerkunst“, in der anerkannte und innovative Therapiemethoden gerne ausprobiert und durchgeführt werden.

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